Ein neuer Anfang in der Fremde

  • Hey, meine Lieben.

    Erst einmal ein riesiges Dankeschön an alle die meine FF lesen und auch mal ein Review dalassen. Es tut wirklich gut, mal etwas positive Resonanz zu erhalten. :D

    Es hat zwar etwas länger gedauert, mein Geburtstag hat mich ein bisschen eingenommen :D, aber hier ist das neue Kapitel. xD ^^ :3 Ich hoffe, es gefällt euch.

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    Kapitel 14: Anschuldigungen (Teil 1)


    Am nächsten Morgen, die Sonne war bereits aufgegangen und bahnte sich ihren Weg durch die schmale Öffnung der Vorhänge.
    Ich erwachte aus meinem tiefen Schlaf, als ich die warmen Sonnenstrahlen auf meiner Haut spürte. Langsam richtete ich mich auf und streckte mich genüsslich.
    Als es dann an meine Tür klopfte, hievte ich mich schlaftrunken auf und machte mich auf den Weg zur Tür. Halt, Moment! Ich blickte an mir hinab und erinnerte mich an die letzte derartige Situation. Dieses Mal nicht. Dieses Mal würde ich nicht so an die Tür gehen.
    Unwillkürlich fing ich an zu grinsen, zog mir schnell mein Hemd über, eilte zur Tür und öffnete diese.
    Doch bevor ich sie auch nur richtig öffnen konnte, drängte sich Jason hindurch, kam schweigend auf mich zu und ehe ich etwas erwidern konnte, zog der Schwarzhaarige mich näher zu sich und hauchte mir meinen liebevollen Kuss auf die Lippen.
    Etwas perplex löste ich mich von ihm und starrte ihn mit hochrotem Kopf an. „G… Guten Morgen.“
    „Guten Morgen, Mia.“ Lächelte er liebevoll und strich mir sanft mit der Hand über die Wange. „Wie hast du geschlafen?“
    „Danke, ganz gut. E… Es ist noch etwas ungewohnt, in einem Bett zu schlafen.“ Antwortete ich schüchtern und biss mir verlegen auf die Unterlippe.
    Er musterte mich eindringlich und liebevoll.
    Ich blickte auf und als sich unsere Blicke trafen, verlor ich mich einen Moment lang in seinen wunderschönen, grünen Augen.
    Doch nur einen Moment später senkte ich hastig den Blick. Noch zu wirr und ungeordnet waren die Bilder der Geschehnisse des vergangenen Abends.
    „Ähm …“ Räusperte er sich und durchbrach die unangenehme Stille. „Mein Vater würde gerne mit dir sprechen, Mia. Er möchte dich gerne näher kennenlernen.“
    Sofort blickte ich auf und schluckte nervös.
    „Hab keine Angst. Er möchte lediglich mehr von dir erfahren.“ Jason lächelte mich an, ehe er fortfuhr. „Ich habe ihm schon so viel über dich erzählt.“ Gab er ehrlich zu. „Das hat ihn vermutlich neugierig gemacht. Und außerdem, Süße …“ Zärtlich legte er mir die Hand unters Kinn und schmunzelte liebevoll. „…bin ich immer an deiner Seite.“
    Erneut blickte ich ihm die Augen und nickte zustimmend.
    Der Höflichkeit halber, begab sich Jason, während ich mich fertigmachte, nach draußen und wartete dort geduldig auf mich.
    Ich versuchte mich für den bevorstehenden Besuch etwas herauszuputzen, was sich für unsere Verhältnisse jedoch nicht sonderlich einfach gestaltete.
    Als ich mich, nach einer gefühlten Ewigkeit, endlich für hübsch genug erachtete, trat ich etwas nervös nach draußen vor die Tür, wo ich sofort Jasons verblüfften Blick auf mich zog und er ihn, meines Erachtens, etwas zu lange auf mir ruhen lies.
    „Was denkst du? Bin ich hübsch genug für deinen Vater? Werde ich ihm so gefallen?“ Witzelte ich, um etwas von der Situation abzulenken.
    Gedankenverloren starrte Jason mich an. „Wow! Du… Du siehst bezaubernd aus, Mia.“ Murmelte er. „Etwas anderes zu behaupten wäre töricht.“
    Ich errötete schlagartig und wandte den Blick kurz, hilfesuchend ab.
    Trotz allem stieg ich die Stufen langsam zu Jason hinab und grinste breit, um meine Verlegenheit zu überspielen. „Wollen wir dann los, Sir?“ Spielte ich freudig.
    „Natürlich. Kann losgehen, Milady.“ Erwiderte er ebenfalls grinsend und reichte mir seinen Arm zum Einhaken. Und so machten wir gemeinsam auf den Weg zu seinem Vater, dem Dorfoberhaupt.
    Endlich dort angekommen, begrüßte er uns höflich, auf seine eigene mürrische Art, und bat uns einen Sitzplatz, welchen wir dankend annahmen.
    So saßen wir da, in dem kleinen gemütlich eingerichteten Zimmer und unterhielten uns eine ganze Weile. Jacob stellte mir viele Fragen über meine Familie, den Absturz, mein Leben oder vielmehr mein Überleben allein auf der Insel und darüber wie ich Jason kennenlernte.
    Ganz besonders schien ihn jedoch die Geschichte, über mein erstes Aufeinandertreffen und das Anfreunden mit meinen beiden ‘speziellen‘ Freunden, meinen T-Rexen, zu interessieren. Dieses Mal jedoch wurden seinen Fragen merklich fordernder, bestimmter, ernster.
    Ich wurde Zunehmens nervöser und schluckte schwer. Mein Herz raste.
    Warum wollte er all das so genau wissen? Ich bin doch kein Schwerverbrecher auf der Flucht. Aber konnte ich es ihm verübeln? Es ihm verübeln, dass er sich um seine ‘Familie‘ sorgte? Nein, wer war ich, dass ich mir erlauben durfte, darüber zu urteilen?
    Jason schien meine Unsicherheit zu spüren und nahm meine Hand in Seine.
    Schweigend saß das Dorfoberhaupt mir gegenüber und musterte mich prüfend.
    „Ich danke dir für deine Offenheit, Mia.“ Setzte der Grauhaarige an und stand auf. „Aber nun noch einmal ganz offiziell.“ Er räusperte sich. „Ich freue mich, dich in unserem Dorf…“ Fügte der Grauhaarige an, ehe er unsanft unterbrochen wurde.
    „Jacob! Jacob!“ Ertönte es aufgeregt von draußen, ehe Aaron atemlos in die Hütte des Dorfoberhauptes stürmte.
    Sichtlich genervt blickte Jacob diesen an. „Was gibt es denn, Aaron?“
    Zitternd stand der zierliche Mann vor dem Dorfoberhaupt. „Es ist etwas Schlimmes passiert.“
    Wimmerte der Blonde hysterisch.
    „Jetzt beruhige dich erstmal. Was ist denn passiert?“
    „Wir wurden überfallen. 6 unserer Dodos, 3 Parasaurolophus und je 1 Stegosaurus und Triceratops wurden gerissen.“ Er schluckte nervös bevor er fortfuhr. „Es ist das reinste Gemetzel.“
    Jacobs Augen weiteten sich. Er wurde sichtlich nervös. „Wissen wir schon, wer es war?“
    „Nein.“ Erwiderte … wild kopfschüttelnd.
    Dann schien dem Grauhaarigen etwas einzufallen, denn auf einmal wurde er still. Zu still.
    Plötzlich sprang er auf und starrte mich an.
    Nun war ich diejenige, die nervös wurde.
    „Bitte entschuldige uns kurz. Jason? Kommst du bitte mal kurz mit?“
    Entgeistert musterte er seinen Vater, nickte ihm stumm zu und ließ seinen Blick zu mir schweifen.
    „Wir sind gleich wieder zurück.“ Flüsterte er und strich mir kurz über die Wange. Dann stand er auf und verschwand mit seinem Vater nach draußen.
    Ich wurde neugierig, denn Jacobs entsetzter Blick, verwirrte mich. Dachte er etwa, ich hätte etwas damit zu tun? Oder gar, dass ich daran schuld sei?
    Mir fiel auf, dass sie die Tür einen Spalt weit offen gelassen hatten. Vermutlich unbeabsichtigt, jedoch erachtete ich das, als mein Glück. Und so schlich ich mich zur Tür, um hören was das Dorfoberhaupt zu sagen hatte.
    „Vater, was ist los?“
    „Hör zu. Du hast selbst gehört, was Aaron eben gesagt hat. Wir haben 6 unserer Dodos, 3 Parasaurolophus und je 1 Stegosaurus und Triceratops verloren.“ Erwiderte er ruhig. „Jason, du weißt selbst, dass wir, bis auf Nico, keinerlei Carnivoren im Dorf halten. Und er ist gewiss nicht in der Lage einen solchen Schaden anzurichten.“ Versuchte er Jason klar zu machen, was er meinte.
    Meine Augen weiteten sich, als ich verstand, was Jacob vorhatte. Ich entschloss jedoch noch nichts zu unternehmen und lauschte weiter.
    „Jason! Verstehst du denn nicht? Es können…“ Der Grauhaarige hielt inne und seufzte. „Es können nur Mias…“
    „Halt! Moment mal.“ Unterbrach ihn der Schwarzhaarige. „Verstehe ich das richtig? Du willst mir gerade allen Ernstes weiß machen, dass du Mia beschuldigst?“ Knurrte er seinen Vater an.
    Erleichtert atmete ich aus, als ich erkannte, dass auch Jason von Agoraxs und Xharias Unschuld überzeugt war. Er verteidigte mich gegen seinen Vater.
    Der Gedanke daran, dass er zu mir hielt, er mir so sehr vertraute, ließ mein Herz höher schlagen. Unwillkürlich fing ich an zu grinsen, als mir wieder die Bilder und Geschehnisse von letzter Nach in den Sinn kamen.
    Schnell wurde ich jedoch wieder zurück in die Realität gerissen, als Jacob wieder ansetzte, dieses Mal bestimmter.
    „Nein, um Himmelswillen. Nicht sie, ihre…“
    „Ich weiß, was du sagen willst.“ Unterbrach er seinen Vater wieder. „Sag es nicht, Vater!“ Jason funkelte ihn böse an.
    „Schon gut, schon gut. Dir scheint ja echt viel an dem Mädchen zu liegen.“ Stellte Jacob nüchtern fest und grinste breit.
    Der Schwarzhaarige seufzte ergebend.
    „Nun gut, ich verstehe schon.“ Antwortete der Grauhaarige noch immer grinsend. „Aber, lass uns zu den Ställen gehen, uns das Ganze anschauen.“
    Der Schwarzhaarige nickte und blickte kurz zu der Tür, hinter der ich mich versteckt hielt.
    Doch bevor ich etwas unternehmen konnte, machten sie sich bereits auf den Weg zu den Ställen.
    Perplex stand ich hinter der Tür. Sind sie jetzt wirklich einfach gegangenen? Haben sie vergessen, dass ich auch noch in der Hütte saß? Was zum Teufel hatte Jacob vor?
    Spähend blickte ich noch einmal durch den Spalt und erkannte, wie die beiden gerade um die Ecke bogen. Gespannt und interessiert wartend, auf das was folgen würde, schlich ich ihnen mit genügend Abstand hinterher. Leider verstand ich, aufgrund der Entfernung, nichts von all dem was sie gerade besprachen.
    "Mal verliert man, mal gewinnen die Anderen."
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  • Kapitel 14: Anschuldigungen (Teil 2)

    Endlich am Schauplatz, den Ställen, angekommen, ließ der Grauhaarige seinen Blick prüfend über das Massaker schweißen, hockte sich neben einen Kadaver, um diesen zu untersuchen. Dann blickte er zu seinem Sohn auf, der sich gerade neben ihn stellte, um die Situation einschätzen zu können.
    Geschockt von dem Szenario stand ich inmitten einer Traube von Schaulustigen, die sich davor gebildet hatte. Auf den ersten Blick fiel mir niemand, auf den ich kannte, was mich ein klein wenig beruhigte. Glücklicherweise hatte mich bisher niemand bemerkt.
    „Hey, Jacob. Wissen wir schon, wer oder vielmehr was hierfür verantwortlich ist?“ Warf Jessica ein.
    „Keine Ahnung, ich weiß es nicht.“ Seufzte er leicht genervt, als er zu der Schwarzhaarigen aufblickte.
    „Das können doch nur diese blöden Viecher von der Neuen gewesen sein.“ Fügte sie abfällig an. „Seitdem diese… diese Göre zu uns gekommen ist, gibt es nichts als Ärger.“
    Ein Raunen ging durch die Menge.
    Geschockt darüber, wie viele Dorfbewohner ihrer Meinung waren, blickte ich umher. Mein Herz fing an zu rasen, als ich die Zustimmung mancher vernehmen musste, ehe sich Jason endlich einmischte.
    „Halt endlich deine vorlaute Klappe, Jessica!“ Funkelte er sie böse an.
    „Es ist doch wahr. Nur, weil du dieses Flittchen…“
    „Schweig und wage es nicht noch einmal sie so zu nennen! Du kennst Mia und ihr T-Rexe überhaupt nicht. Wer bist du, dass du dir ein Urteil erlauben darfst?“ Bellte Jason erzürnt, bevor er sich an die restlichen Dorfbewohner richtete „Das kann doch nicht euer Ernst sein, Leute! Ich kenne Agorax und Xharia mittlerweile auch schon eine ganze Weile und noch nie waren sie negativ aufgefallen. Ich…“
    „Das sagst gerade du? Jessica hat vollkommen Recht. Du kannst doch gar nicht objektiv urteilen. Die Kleine hat dir doch das Hirn vernebelt.“ Unterbrach ihn ein Dorfbewohner ungestüm. „Du hast…“ Doch bevor er diesen Satz vollenden konnte, fuhr ihm das Dorfoberhaupt dazwischen.
    „Verdammt nochmal, Jason. Sei nicht so blind!“ Schrie Jacob ihn an. „Schau es dir doch an. Niemand hier wäre in der Lage, solchen Schaden anzurichten, außer…“ Der Grauhaarige hielt kurz inne. „Außer Mias… Viecher.“
    Betrübt ließ Jason seinen Blick erneut über die Menge schweifen. Plötzlich wirkte er auf mich, als würde nun auch er an der Unschuld von Xharia und Agorax zweifeln.
    Halt… Moment mal! Was hatte Jacob da gerade gesagt? Viecher? Warum sagte Jason nichts dazu? Er stand da und schwieg, zweifelte er wirklich? Okay, das war zu viel des Guten. Jetzt reichte es mir endgültig.
    Aufgebracht bahnte ich mir einen Weg durch die Menge. „Diese VIECHER, wie ihr sie nennt, sind meine Freunde, meine Familie.“
    Erschrocken fuhren beide Männer herum und starrten mich an. Mit einem Mal waren die Blicke aller Anwesenden auf mich gerichtet.
    Doch ich fuhr unbeirrt fort, ehe irgendetwas einbringen konnte. „Niemals würden sie, dafür würde ich meine Hand ins Feuer legen, auch nur irgendjemanden etwas zu leide tun.“ Gab ich verzweifelt an.
    „Dann bitte sag mir doch, wer sonst dafür verantwortlich sein soll!?“ Warf Jacob erbost ein.
    „Ich weiß es nicht, aber da ich selbst für das leibliche Wohl meiner ‘Familie‘ Sorge, kann ich dafür garantieren.“ Bellte ich ihn langsam zornig werdend an. „Sie. Waren. Es. NICHT!“ Versuchte ich das Dorfoberhaupt ruhig, jedoch bestimmend zum Verstehen zu bringen.
    Hilfesuchend blickte ich zu Jason, der tief durchatmete und seinen Mut zusammen nahm, um seinem Vater entgegenzutreten.
    „Vater, ich…“
    Dieser ließ ihn jedoch nicht zu Wort kommen. „Jason, nicht jetzt!“
    Ich schloss die Augen und atmete tief durch. „Wir befinden uns hier auf einer Insel mitten im nirgendwo, voller prähistorischer Tiere, die eigentlich schon längst nicht mehr existieren sollen. Über die es nur Studien, Aufzeichnung und Vermutungen gibt. Keiner von uns hätte je daran geglaubt, diese Tiere jemals in ihrem natürlichen Lebensraum erleben zu können. Und doch stehen wir hier. Also bitte, sagt mir: Warum sollte sich nicht auch ein T-Rex anders verhalten, als man es bislang vielleicht für möglich gehalten hätte?“ Ich schloss die Augen und atmete tief durch, ehe ich fortfuhr. „Nehmt doch zum Beispiel…“ Ich hielt kurz inne und blickte in die Menschenansammlung vor mir und… zu Jason. „Euch. Ja, genau. Euch. Ihr seid das beste Beispiel dafür.“
    Ein Raunen und entsetztes Murmeln der Anwesenden war zu vernehmen.
    „Ihr verhaltet euch auch ganz anders, als ich gedacht hätte. Manche sogar mehr, als mir lieb ist.“ Kurz ließ ich meinen Blick zu Jason wandern, nur um ihn hastig wieder abzuwenden, als sich unsere Blicke trafen. „Selbstverständlich ist es gut, vorsichtig und achtsam zu sein, das sehe ich ein. Aber ihr habt euch in all dieser Zeit, die ihr hier auf der Insel verbracht habt, verschlossen und igelt euch verängstigt ein.“ Rief ich mit zittriger Stimme aus und hielt noch einmal inne. „Aber…“ Dann war es soweit, ich konnte mein Gefühlschaos nicht weiter unterdrücken. Der Damm, der die Flut aus Tränen, Tränen der Wut und Enttäuschung, bis noch vor wenigen Augenblicken erfolgreich eingedämmt hatte, brach. Vereinzelt perlten sie meine vor Aufregung geröteten Wangen hinab. Doch ich ließ mich nicht unterkriegen und fuhr unbeirrt fort. „Nein… Nein, es ist natürlich viel einfacher und bequemer die Schuld bei jemand anderen zu suchen. Am besten jemand, der sich verbal nicht wehren kann oder gar jemanden, den man vielleicht noch gar nicht richtig kennt, gar nicht richtig kennenlernen möchte.“
    Mit Tränen in den Augen blickte ich Jason, der mich vollkommen verblüfft anstarrte, enttäuscht an. Auch Jacob und die anderen Dorfbewohner, die mich und meine ‚Familie‘ gerade, hier und jetzt, an den Pranger stellten, schwiegen fassungslos.
    „Sei nicht dumm, Mädchen.“ Wandte sich Jacob letzten Endes doch wieder an mich.
    „Wenn ihr alle es als dumm erachtet auf seine Familie achtzugeben, dann muss ich leider zugeben, dass dies zu einhundert Prozent auf mich zutrifft.“ Entgegnete ich dem Grauhaarigen trotzig.
    „I…Ich weiß…“ Warf nun auch Jason, nach langem Schweigen, ruhig ein. „Ich weiß es ist schwer, Mia. Aber lass sie gehen! Ein T-Rex ist kein Haustier und du musst zugeben, die Beweislast ist erdrückend. Wer sonst, außer deiner zwei T-Rexe sollte hier drinnen so etwas anrichten können?“ Er seufzte hörbar schwer.
    Seine Worte versetzen meinem Herzen einen Stich. Ich schluckte, ehe ich mich zu dem Schwarzhaarigen umdrehte und ihn ungläubig anstarrte. „Ich glaub es nicht.“ Knurrte ich fassungslos. „Du auch, Jason? Du glaubst also auch, dass es Xharia und Agorax waren? Ich dachte gerade DU, würdest mich verstehen. Vor allem… vor allem nach dem was du mir letzte Nacht alles sagtest, was geschehen war.“ Gab ich ihm traurig und enttäuscht über seine Aussage zu verstehen.
    Kopfschüttelnd, über meine vermeintliche Dummheit und des Unverständnisses, stand Jacob neben seinem Sohn. Dann brach er erneut sein Schweigen. „Weißt du was, Mädchen? Mach was du willst, aber die Tiere werden aus unserem Dorf verschwinden.“
    „Das werde ich nicht zulassen.“ Sagte ich trotzig.
    „Dann tut es mir leid, aber…“ Jacob hielt kurz inne. Es fiel ihm sichtlich schwer seine Entscheidung kund zu tun.
    Jasons Augen weiteten sich, in der Vorahnung was nun folgen würde.
    „Es tut mir leid, aber dann wirst auch du unser Dorf verlassen müssen.“ Befahl er mir bestimmend.
    „Das kannst du doch nicht ernst meinen, Vater! Du kannst nicht…“
    „Ich kann und das werde ich! Ende der Diskussion!“ Erwiderte er laut, wandte sich dann nochmals mir zu. „Du kannst es dir überlegen.“
    Ungläubig starrten der Schwarzhaarige und ich Jacob an.
    Nur wenige Augenblicke, nachdem der Grauhaarige es ausgesprochen hatte, wandte sich sein Sohn wieder mir zu. „Mia, ich…“
    Doch ehe er seinen Satz vollenden konnte, ging ich an dem besorgt dreinblickenden jungen Mann vorbei. Ich wollte nichts mehr hören, hatte Mühe ihn nicht anzuschreien, ihm Vorwürfe zu machen. Mir war bewusst, dass alles was ich ihm in dieser Situation an den Kopf werfen, ich definitiv bereuen würde. Meine Enttäuschung über sein Verhalten war maßlos. Tränen der Trauer sammelten sich in meinen Augen und ich versuchte vehement dagegen anzukämpfen. Die Worte aller Anwesenden trafen mich hart, doch seine Worte waren für mich ein Schlag in die Magengegend, ein Stich ins Herz.
    Mit vor Wut hochrotem Kopf wandte ich mich zum Gehen um, Jason jedoch griff nach meinem Handgelenk und hinderte mich somit daran zu verschwinden.
    „Fass. Mich. Nicht. An!“ Zischte ich ihm drohend entgegen. Zornig entzog ich ihm meine Hand und lief an der Menge vorbei, ohne Jason eines weiteren Blickes zu würdigen. Zu tief saß die Enttäuschung darüber, was er getan hatte.
    „Warte doch, Mia.“ Rief er mir besorgt hinterher, bereit mir hinterher zu laufen. Er hielt jedoch inne, als ihm sein Vater eine Hand auf die Schulter legte und mit dem Kopf schüttelte. „Lass gut sein, Jason. Sie wird sich schon wieder einkriegen.“
    Dies waren die letzten Worte, die ich vernahm bevor ich aus ihrer Sicht- und Hörweite verschwand.
    Aufgebracht und enttäuscht beschloss ich spazieren zu gehen, später ein Bad zu nehmen, um runterzukommen und über all das geschehene nachzudenken. Denn trotz alledem ging Jason mir in jeder einzelnen Sekunde, die ich in seiner ihrer Gegenwart verbrachte, unter die Haut.
    "Mal verliert man, mal gewinnen die Anderen."
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